Donnerstag, 22. September 2011

Interview mit der Künstlerin Steffi Decker

         

          Steffi Decker malt Pastellbilder, die detailreich und doch über die zarten Eigenschaften der Pastellkreiden verfügen. Sie sehen sehr lebendig aus und doch sieht man in jedem Kreidestrich, dass es keine Foto ist, sondern eine wundervolle künstlerische Arbeit. Aber seht selbst und lasst Euch bezaubern.

Liebe Steffi, danke dass Du meine neugierigen Fragen beantwortest.

LM      Seit wann malst du?
SD       Ich male schon seit meiner Kindheit. Es ist mir einfach ein Bedürfnis. Die Formen der Dinge, wie sie sich darstellen, haben mich schon immer interessiert. Ich spüre noch heute die Faszination, die ein weißes Zeichenblatt auf mich ausgeübt hat, welches ich unbedingt bemalen musste. Der Kunstunterricht war in der Schule mein liebstes Fach, und nicht selten habe ich für meine Freundin an ihrem Bild mitgemalt.
LM      Hast du schon immer mit Pastellkreiden gemalt?
SD      Nein, in der Kindheit und Jugend erstreckten sich die Techniken über Bleistift, Gouache und Versuche mit Feder und Tinte. In den 90er Jahren beschäftigte ich mich autodidaktisch sehr intensiv mit der Seidenmalerei. Ich habe damals auch viele Tücher, Krawatten und Schals verkauft und im Auftrag gearbeitet, was mir viel Spaß gemacht hat.
Danach belegte ich mehrere Kurse in Aquarellmalerei, die ich dann ebenfalls über mehrere Jahre praktizierte, jedoch nicht ganz so intensiv. In dieser Zeit sah ich bei einer Ausstellung zum ersten Mal Pastellbilder und spürte den Wunsch, diese Technik auch einmal auszuprobieren. Das war dann im Frühjahr 2009, als ich mir meinen ersten Pastellkreidenkasten kaufte. Von da an war ich sozusagen infiziert.
LM      Was reizt dich besonders an den Kreiden?
SD       Mich fasziniert die weiche, pudrige Oberfläche der Pastellbilder, die verschwimmenden Farben und sanften Übergängen, die spielend leicht entstehen. Es macht mir einfach Spaß, direkt mit den Händen zu arbeiten, ohne große Vorbereitung, Pinsel und Wasser, Farben mischen, einfach zu beginnen. Schon wenn ich nur die Palette der Kreiden mit den vielen Farbabstufungen, die sich mittlerweile bei mir angesammelt haben betrachte, löst das kleine Glücksmomente bei mir aus.
LM      Sind sie nicht schwer zu meistern, weil sie wenig Spielraum für Verbesserungen zulassen?
SD       Ich denke, das empfindet jeder anders. Mir liegt vielleicht auch einfach das Arbeiten mit diesem Medium. Ich finde es z.B. viel leichter als Aquarell.  Sicher gibt es Grenzen beim Ausbessern von Fehlern, da der Bildträger mit der Aufnahme der Kreide irgendwann an  selbige stößt. Da ich jedoch ziemlich genau im Vorfeld meine Bilder plane, auf einem Untergrund arbeite, der relativ viel Pigment halten kann, und robust ist, wenn man z.B. einmal Farbe wieder wegnehmen muss,  habe ich damit eigentlich kein Problem.
LM     Was tust du, wenn ein Bild so gar nicht will, sich hartnäckig weigert, gehorsam zu sein? Gibst du manchmal auf? Oder reizen dich die schwierigen Bilder am meisten und werden dann die besten Werke?
SD       Wenn ein Bild scheinbar nicht so will wie ich, liegt es ganz sicher einzig und allein an den Fehlern, die ich selbst gemacht habe. Ich habe nie das Gefühl, dass ein Bild ein Eigenleben hat oder entwickelt. Es ist nicht mehr und nicht weniger als das, was ich zu Papier gebracht habe. Und wenn etwas nicht stimmt, dann habe ich nicht richtig geschaut, war nicht diszipliniert und aufmerksam genug, fehlte mir vielleicht noch eine Grundlage, Erfahrung mit dem entsprechenden Sujet oder, wie so oft, ein bestimmter Farbton. Ich weiß, das hört sich ziemlich nüchtern und unromantisch an. Aber ich empfinde es so. Bin da eher der Realist.
Trotzdem spielen natürlich auch Emotionen beim Malprozess eine Rolle. Ich habe z.B. meistens im mittleren Entstehungsstadium eines Bildes das Gefühl es nicht hin zu bekommen. Dann bin ich wirklich am Kämpfen und sage oft zu meinem Mann: “Das wird nie was!“ Es ist als verlöre ich den Überblick, wüsste nicht mehr, was richtig und was falsch ist. Er sagt dann immer: “Mach mal, das wird schon.“ Das ist oft der Zeitpunkt, wo ich zum ersten Mal Abstand zum Bild nehme, zeitlich, optisch, emotional. Ich versuche loszulassen, mit frischen Augen drauf zu schauen, oft auch rückwärts seitenverkehrt durch einen Spiegel. Und dann sage ich mir, einfach weitermachen. Entweder es wird oder es war eine Lernerfahrung. Und meistens klappt es.
Klar gibt es auch Bilder, mit denen ich gar nicht zufrieden bin. Die lege ich dann als Übung in meine Mappe und gehe das Thema, wenn es mir wichtig ist, später noch einmal an. Zum Glück sind das nicht zu viele.
LM      Malst du an mehreren Bildern gleichzeitig? Oder verlierst du dann den Bezug zu dem Motiv?
SD       Ich male aktuell eigentlich immer nur an einem Bild gleichzeitig. Das liegt einmal an dem mir zur Verfügung stehend Platz und auch daran, dass Pastell keine Wartezeiten, wie z.B. Ölmalerei benötigt. Ich könnte mir jedoch vorstellen, mit den nötigen räumlichen Voraussetzungen z.B. die Pastellmalerei mit der Ölmalerei zu kombinieren und in der Zeit, wo das Ölbild trocknen muss, nebenbei ein Pastell zu malen. Wie das mit dem Bezug zum jeweiligen Motiv ist, kann ich deshalb gar nicht so sagen. Ich würde es ausprobieren.
LM      Du malst viele Auftragsarbeiten. Was war dein schönstes Erlebnis bei der Übergabe?
SD       Auftragsarbeiten sind bei mir in der Regel Tierportraits. Oft bin ich bei der Übergabe des Bildes auch nicht dabei, weil es ein Geschenk von Verwandten zum Geburtstag des Tierbesitzers war/ bzw. das Bild mit der Post verschickt wird. Der schönste Lohn für meine Arbeit ist jedoch, wenn die Tierbesitzer emotional berührt sind und genau ihr Tier in dem Gemälde wieder erkennen. Einen besonderen Moment bescherte mir letztens ein Ehepaar, welches ihren verstorbenen Hund portraitieren ließen. Sie hatten bei der Übergabe beide Tränen in den Augen. Das war sehr ergreifend.
LM      Liest du gerne? Und hat dich schon einmal ein Buch zu einem Bild inspiriert?
SD       Ich lese gerne mal ein schönes Buch, oft Biographisches, Emotionales, Handlungen mit Anspruch und Tiefgang und auch einem Schuss Humor. Aber ich bin keine typische Leseratte. Dafür fehlt mir auch einfach die Zeit. Ein Buch hat mich bisher noch nicht zu einem Bild inspiriert. Da war einmal ein Gedicht, welches bei meinem Sohn im Deutschunterricht durchgenommen wurde. Dazu hatte ich sofort ein Bild im Kopf. Ich habe es aber leider nie umgesetzt.
LM      Hast du eine Lieblingsfarbe?
SD       In der Malerei gibt es für mich keine Lieblingsfarbe. Die beste Farbe ist immer die, die genau richtig ist um auszudrücken, was ich übermitteln will. Grundsätzlich ist es aber wohl eher so, dass ich die sanften gebrochenen Farben den lauten, klaren, schreienden vorziehe. Das wurde mir jedenfalls auch schon von außen so bestätigt. Irgendwie stimmt das wohl und passt zu meinem Wesen. Ich brauche viel Harmonie und Ruhe um mich herum. Das spiegelt sich in meinen Bildern wider.
LM      Wenn ein Bild beendet ist, überkommt dich dann ein Gefühl der Ruhe?
SD       Ja, so könnte man es beschreiben. Ich empfinde es als sehr befriedigend, ein Bild als relativ  gelungen und fertig zu erklären. Relativ gelungen, weil ja immer noch Zweifel vorhanden sind, ob es auch wirklich so bleiben kann oder irgendwo noch kleine Makel versteckt sind.
Die Entscheidung, es so zu lassen, braucht einen Moment, um zu reifen zu der Einsicht, dass es nun nicht mehr besser geht zum jetzigen Zeitpunkt, auf dem Stand, wo ich mich befinde. Denn man lernt ja nie aus. Und das ist auch gut so.
Mein fertiges Bild steht dann oft tagelang auf der Staffelei im Wohnzimmer, um von mir immer wieder unter die Lupe genommen und betrachtet zu werden. Das ist auch ein schönes Gefühl.
LM      Hast du ein Lieblingsbild? Und wieso ausgerechnet dieses?
SD       Nicht wirklich. Aber wenn ich ein Lieblingsbild nennen müsste, dann wäre es das Bild von meinem Hund Sammy. Ich liebe den Ausdruck in seinem Blick. Er zeigt seine Seele.
LM      Wie lange malst du durchschnittlich an einem Bild?
SD       Es sagte mal jemand: „Ich habe Stunden für dieses Bild gebraucht. Aber ich brauchte mein ganzes Leben dafür um es so malen zu können, wie es ist.“
Ich sitze an meinen Bildern zurzeit ca. 8-10 Stunden. Das kommt aber auch immer auf die Größe an, die sich bei mir im Moment hauptsächlich im Bereich 30x40cm bewegt.

Danke liebe Steffi für die informativen Antworten.

Liebe Leser, ich hoffe Euch gefällt das Interview und die wundervollen Bilder.
Sinnliche Lesestunden und eine schöne Woche wünscht Euch
Linda




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen