Mittwoch, 12. Oktober 2011

Interview mit Egon Baldermann



Danke lieber Egon, dass Du uns einen Einblick in deine künstlerische Vorgehensweise gewährst. Um mehr von seinen Werken zu sehen, besucht doch seine Homepage  http://noge-art.de/  Egon hat ein wunderbares Gespür für Farben und seine Bilder sind farbenprächtig ohne überladen zu sein.



LM    Du malst mit Acryl- und Ölfarben. Welche Vorteile schätzt du bei Acryl und welche bei Öl?


E       Acrylfarben verwende ich hauptsächlich bei abstrakten Bildern und bei Experimenten, aber auch in der realistischen Malerei. Der große Vorteil liegt in der schnellen Trocknungszeit. Da ich öfter mehrere Farbschichten in einem Bild auftrage, dann wieder abkratze und neu übermale, ist Acryl die optimale Farbe dafür. Auch der Zusatz von Strukturpaste, Sand oder Papier lässt sich mit Acryl besser verarbeiten. Manchmal nehme ich auch nur weiße Acryl-Wandfarbe um zu grundieren oder Strukturen zu erzeugen.

Mit Öl fing alles an. Bob Ross machte es vor und ich eiferte zu Beginn meiner Malerei kräftig nach. Was war das oft für eine Schmiererei? Aber schon nach kurzer Zeit und intensivem Studium der Ölmalerei erkannte ich die Vorzüge von Ölfarben. Zarte Blüten oder Wolken gelingen mir mit Öl einfach besser. Ich denke, die „rosa Rose“ ist nur mit Ölfarben so sanft zu malen. Außerdem mag ich die Konsistenz, das buttrige, geschmeidige. Die Farben bleiben länger „offen“ und somit sind sie auch nach Tagen noch zu gebrauchen.





LM    Unter Deinen Werken befinden sich auch sehr schön abstrakte Bilder. Planst Du sie vorher durch oder lässt Du Dich bei ihnen von Deiner Inspiration leiten?

E       Meine abstrakten Bilder entstehen sehr spontan und entwickeln sich während des Malprozesses. Sie sind nicht geplant. Bei “green village“ wurden mehrere Acrylschichten aufgetragen und teilweise wieder abgekratzt. Der Titel hat sich dann erst ergeben.

          Die „Wurzel“ entstand während eines Malkurses bei einer Künstlerin. Sie stellte eine Wurzel auf ein Podest und meine Aufgabe war es, sie ohne Vorzeichnung  innerhalb einer Stunde zu malen. So musste ich mich auf wesentliche Elemente konzentrieren und es entstand ein Bild, das zwar einer Wurzel ähnelt, aber doch der Fantasie freien Lauf lässt.  





LM    Lässt Du Dich bei den nicht-abstrakten Bildern auf eine unbekannte Reise führen oder planst Du diese Bilder ganz genau durch?

E       Das ist unterschiedlich. Bei einem vorhandenen Foto zum Beispiel, wie der „Kürbisblüte“, benötige ich kaum Zeit für eine Vorplanung. Es ist alles Wesentliche, wie Farben und Bildaufbau, vorgegeben. Aber schwieriger war es bei „Clown in Town“. Da war erst nur das vorgegebene Thema. Es dauerte Wochen, bis ich das Bild im Kopf und dann skizziert hatte. Für mich ist eine gewissenhafte Planungsphase sehr wichtig, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Oft beziehe ich auch meine Familie in den Planungsprozess mit ein. Mehr Zeichnungen im Vorfeld wären sehr hilfreich, aber da bin ich zu nachlässig. Zeichnen mit Freunden hilft mir hoffentlich dabei, den inneren Schweinehund zu überlisten.



LM    Sind Deine Vorzeichnungen genau? Oder legst Du lediglich die Umrisse fest?

E       Bei Motiven, wie „Bob Dylan“ oder „Dancing Queen“ zeichne ich möglichst genau vor, aber bei Blumenmotiven lege ich häufig nur die Umrisse fest. Ich finde es interessanter, direkt mit dem Pinsel das Bild zu gestalten.





LM    Hast Du noch die ersten Bilder, die Du gemalt hast? Wenn ja, was empfindest Du, wenn Du sie betrachtest?

E       Zeichnungen und Bilder aus meiner Schulzeit habe ich leider nur noch sehr wenige, aber ich erinnere mich noch gerne an den Kunstunterricht im Gymnasium, wo wir einen hervorragenden Lehrer hatten. Er verstand es wie kein zweiter, uns für die Malerei zu begeistern. Hier wurde auch meine…Lust am Malen…geweckt. Später begeisterte mich zunächst, wie viele andere auch, Bob Ross mit seinen Landschaftsbildern. Heute gefallen sie mir nicht mehr so gut, aber wenn ich sie betrachte, dann bin ich ihm dankbar. Dankbar, dass er mich wieder zurück zur Malerei geführt hat.

LM    Was sollte ein Anfänger tun, der nach dem ersten misslungenen Versuch am liebsten alles hinwerfen würde?

 E       Erst mal einen Schnaps trinken (lacht), nein, nichts hinwerfen, sondern das   
          missratene Bild in die Ecke stellen und nach einigen Tagen wieder ansehen, wobei die
          Betonung auf „sehen“  liegt. Das genaue Sehen ist mit das wichtigste in der Malerei.
          Wenn der Anfänger erkennt was er falsch gemacht hat, dann wird er auch bald
          Fortschritte erzielen. Also Geduld haben, genau Hinsehen, das Forum 
          http://happypainting.de/ nutzen und
          Ratschläge annehmen!

 LM    Bist Du sehr geduldig, wenn etwas nicht gelingt? Oder brauchst Du von dem Bild eine
          längere Pause, um es später erneut in Angriff zu nehmen?



E       Ich bin beim Malen sehr geduldig, was mich manchmal selbst überrascht. Ich versuche ein Bild fertig zu malen, auch wenn es schwierig ist. Zurzeit steht ein Bild unfertig herum, weil ich nicht weiß, wie ich es weiter gestalten soll. Das passiert aber eher selten, da ich mir für die Planungsphase ausreichend Zeit nehme. Der „Tiger“ stand über ein Jahr als Vorzeichnung in der Ecke, weil ich mich nicht an das Fell heran traute. Nun ist er behaart und ich zufrieden.



LM    Kannst Du über etwas Misslungenes schmunzeln oder hast Du keine Geduld mit Dir selbst?



E       Da ich sehr selbstkritisch bin, kann ich zwar über meine Fehler lachen, aber ich setze alles daran, das Missgeschick schnellstens auszubügeln.

Lustig war, als ich dem linken Sänger meiner „kubanischen Musikanten“ das Ohr zu weit nach hinten gemalt hatte und ich dachte beim Betrachten immer, da stimmt doch was nicht. Freunde im Forum machten mich dann aber darauf aufmerksam. Betriebsblindheit gibt es auch unter Malern.



LM    Was ist Dein Lieblingsfilm? Dein Lieblingsbuch?
 

E       Ich bin kein großer Kinogänger, aber „das Boot“ hat mich so begeistert, dass ich mir diesen Film immer wieder ansehen würde.

Gerne hätte ich Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg begleitet. „Ich bin dann mal weg“ hat mir sehr gut gefallen, weil informativ und amüsant zugleich.

Aber ich würde mich nicht als „Leseratte“ bezeichnen.



LM    Brauchst Du Ruhe beim  Malen oder hörst Du gern dabei Musik? Wenn ja, ruhigere Töne oder wummernde Beats?
 

E       Sowohl als auch. Es gibt Bilder, da bevorzuge ich die Stille, das offene Fenster und das Gezwitscher der Vögel. Blumen male ich gerne bei Klassik, z.B. Vivaldi, während ich Salsa bei den „kubanischen Musikanten“ hörte. Oldies laufen fast immer im Hintergrund, passend zu „Dancing Queen“ z.B. ABBA.



LM    Welches Bild bedeutet Dir am meisten? Und warum gerade dieses?


E       Es sind die “kubanischen Musikanten“ weil das Bild schwierig, sowohl in der Vorbereitung, als auch in der technischen Ausführung, war. Es ist aber auch das Bild mit den meisten Emotionen. Für mich ist es Lebensfreude pur. Wenn ich es betrachte, erklingt Musik. Es hat einen Ehrenplatz in meinem Büro.



Lieber Egon, vielen Dank für das Interview.

 Liebe Linda, ich bedanke mich ebenfalls für das Interview.
Es war für mich eine Ehre und große Freude Deine Fragen beantworten zu dürfen.
Ich wünsche Dir alles Gute, Erfolg  und allzeit das notwendige Quäntchen Glück!

Egon






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