Samstag, 5. November 2011

Autorin auf der Suche nach dem Runners High

Autorin auf der Suche nach dem Runners High
Ich drücke fest die Augen zu, atme ruhig ein und aus, in der Hoffnung ihn täuschen zu können.

»Turnschuhe geölt?«

Kalte Luft trifft meinen Körper und das Monster starrt auf mich herunter. Ich werfe ihm einen empörten Blick zu und er lächelt breit, schlurft genüsslich einen Schluck Tee.

Innerlich mit den Augen rollend stapfe ich ins Bad und putze mir die Zähne. Mehr ist nicht nötig, denn gleich werde ich sowieso mit Schweiß bedeckt sein.

»Laufen wir einen neuen Rekord?«

Höh?

Ich war froh, die Bürste halten zu können und dass es mir gelang meine Haare in einen Zopf zu zwingen. Wenigstens war es nicht kalt und ich konnte die Fleecemütze im Schrank lassen.

Das Monster drückt auf die Uhr und wir laufen leichtfüßig los und vielleicht würde ich ihm heute begegnen, dem Runners High. Ich atme gleichmäßig und freue mich bereits jetzt auf das Frühstück. Die Atemzüge des Monsters sind mit meinen im Einklang, ich mag das.

Meistens brauche ich die ersten zwei Kilometer, um in den Lauf zu kommen, diesmal wünsche ich mir er wäre nach zwei vorbei. Ich konzentriere mich auf die Atmung und ignoriere meine Beine, die plötzlich doppelt so schwer sind. Röchelnd holt Schatzi Luft und setzt einen Atemzug aus.

Na toll. Meine Konzentration ist dahin und ich werfe ihm den dunkelsten und schmutzigsten Blick zu den ich schaffe. Unbeeindruckt atmet er schneller. Das macht er mit Absicht. Wieso nur geht es immer bergauf? Brummelig frage ich mich, weshalb ich mir das eigentlich antue. Der nicht mit mir im Gleichklang atmende Athlet springt über eine matschige Stelle.

Blöder Angeber.

Ich denke nicht daran zu springen, sondern latsche mitten durch. Vielleicht habe ich Glück, versinke und bin von meinem Elend erlöst.

Ich habe kein Glück, stattdessen kommt uns eine Elfe entgegen, schlank, ebenso athletisch aussehend wie Schatzi und ich beschließe, sie zu hassen. Wahrscheinlich ist sie unfreundlich und eingebildet. Aber nein, sie erwidert unser Lächeln und ruft uns den Morgengruß zu.
Blöde Kuh. 

Nicht nur superaussehend auch noch supernett.

Bevor ich auf den Runners High treffe, begegne ich eher einem Yeti. Dort hinten liegt einer auf dem Boden, schwarz und mit bunten Blättern bedeckt. Es ist ein Neufundländer. Mitleidig blickend hebt er den Kopf und betrachtet uns, als wir an ihm vorbeilaufen. Ich unterdrücke den Reiz, mich danebenzulegen.

Schatzi läuft vor mir auf dem schmalen Weg. Meine Beine werden immer schwerer und ich brauche unbedingt eine Ablenkung. Ich betrachte den knackigen Po, gestählt durch unzählige Squashstunden, jedoch nach gefühlten vierzig Kilometern nützt es nicht mehr. Gut, ich entferne virtuell die enge Hose. Das hilft für die nächsten fünfhundert Meter.

Der Holtimanscharo ragt vor uns auf, steil, gemein und hinterhältig. Ich benötige eine neue Anregung und stelle mir vor, dass John Sullivan aus dem Federzirkel mit einer Dressurgerte hinter mir ist. Funktioniert nicht. Die Vorstellung lässt mich verlangsamen. Der Schmerz der Gerte kann nicht so schlimm sein, wie dieser Scheißberg und mir ist alles recht, was mich von meiner Misere erlösen kann.

Dann muss eben Kendrick, der Söldner der Dunkelheit aus den Mitternachtsspuren her. Zu sexy. Besser einen schnellen Tod, als diese Tortur länger zu ertragen.

»Rechts oder links?«

Ich grunze und zeige nach rechts. Mehr gibt mein Atem nicht her. Überhaupt rede ich nicht während des Laufens, sondern beschränke mich auf einsilbige brummelige Töne. Endlich, das zweite Basislager taucht vor uns auf und zwei Frauen kommen uns entgegen. Sie gehen und nicken anerkennend. Ich beschleunige.

Zu guter Letzt geht es bergab, leider ist bergab laufen lange nicht so erholsam wie bergauf laufend anstrengend ist.

Schatzi beschleunigt, wie ein Shetlandpony, welches den Stall wittert. Soll er doch, ich halte die Geschwindigkeit. Schließlich bin ich eher ein Suffolk Punch und kein Rennpferd.

Unter der Dusche stellt er sich ein, der Runners High, der Stolz es geschafft zu haben. Verführerischer Kaffeeduft steigt mir in die Nase und ich freue mich bereits jetzt auf morgen, denn da fängt der Mist wieder von vorne an.

Joggende Grüße

PS heute rühre ich mich nicht mehr von der Stelle.

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für die Motivation die Turnschuhe wieder zu schnüren und eine schöne morgendliche Runde joggen zu gehen!

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