Sonntag, 18. Januar 2015

Die Tränen der Lilien, Leseprobe und Klappentext

Meine lieben Leser/innen,

in den nächsten Tagen erscheint mein nächster Roman „Die Tränen der Lilien“. Es ist ein absolutes Herzblutprojekt von mir und ist ein Drama / Liebesgeschichte.

Klappentext:

Jasmine Gordon hat alles verloren, was einen Menschen ausmacht. In ihrem Leben ist das Licht erloschen, und sie hat keine Aussicht, es jemals wieder zurückzubekommen, bis sie die Bestien aufspürt, die ihr und ihrer Schwester Lily Böses angetan haben.

Ihre Rache an einem ihrer Peiniger bringt ungeahnte Schwierigkeiten mit sich, denn sie verliebt sich in den Chief-Inspector Finlay Morrison, der den Fall untersucht. Nicht nur die Gegenwart verbindet Jasmine und Finlay. Ohne es zu ahnen, haben sie eine gemeinsame Vergangenheit, die schreckliche Opfer gefordert hat.

Kann eine Liebe, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, auch in der Dunkelheit erblühen?


Leseprobe

Die Tränen der Lilien

Jasmine, 2014

Neunzig Minuten habe ich Zeit, um Jahre des Unrechts auszulöschen, die wie ein schnöder Wimpernschlag in der Unendlichkeit des Universums erscheinen. Aber für mich sind es fünftausendvierhundert endlose Sekunden, bis die Nachtschwester sich zur ihrer nächsten Runde aufmacht. Allerdings darf ich den Zeitrahmen nicht ausschöpfen.

Zu riskant!

Das Auslöschen von ihm, dem perversen Scheusal, wird sehr viel schneller gehen. Ein paar letzte äußerst unangenehme Atemzüge und für ihn ist es vorbei. Schade eigentlich, denn er verdient keinen zügigen Tod durch meine Hände.

Kurz schaue ich aus dem Fenster, als Gedankenfetzen sich in meinen Verstand drängen, und ich mich in aller Deutlichkeit daran erinnere, dass es ein sonniger Tag war, an dem die Dunkelheit mich gepackt und sämtliche Farben meines Daseins innerhalb von Minuten aus­löschte, bis nur Schwarz verblieb. Kein selbst abgemischtes Schwarz, wie Künstler es verwenden, sodass dieser Farbton nicht wie ein Schlund in einem Gemälde wirkt, sondern ein trostloses Dunkel, durchzogen von einer grauenvollen einsamen Stille, das den Betrachter ins Nichts zieht, bis nur Leere verbleibt.

Draußen ist es mittlerweile stockdunkel. Die Nacht hat die Sonne verdrängt und ich empfinde es als gerecht, dass er den morgigen blauen Himmel nicht mehr sehen wird.

Mit meinen behandschuhten Fingerspitzen ziehe ich eine bedächtige Spur über die Bettdecke, während ich es vermeide ihn anzusehen, denn an ihn erinnere ich mich nicht nur, er ist in mir, auf mir, als verkrustete er meinen Körper mit einer eisigen übel riechenden Schicht, die mit jeder Sekunde, jedem Atemzug tiefer eindringt. Sein Gestank, das Gefühl seiner Hände auf meiner Haut, sein Keuchen, der schreckliche heimtückische Schmerz, all das hat mich nie verlassen. Doch die durchlittene Angst stellt jegliche entwürdigende Erfahrung in den Schatten, weil sie mich von innen heraus zerstört hat, bis nur eine Hülle verblieb und von Lily nicht einmal mehr das. Diese Furcht hat mich immer begleitet, egal, wie sehr ich dagegen ankämpfte.

Er starrt mich an mit diesen braunen Augen, die mich selbst in der Finsternis gefunden haben und mich zwangen, tiefer in sie hineinzuflüchten. Ich nehme einen langen Atemzug und starre auf meine Hand, die viel zu ruhig für das erscheint, was in mir lauert. Er hat Böses in mir gesät, und es hatte eine gefühlte Ewigkeit Zeit, um zu reifen.

Meine Sekunden rinnen an mir vorbei, bis ich bereit bin, die Nacht in mir zu entfesseln. Es gibt kein Zurück mehr - weder für ihn noch für mich.

Mein Blick verschmilzt mit seinem, und ich ringe es mir ab, ihm standzuhalten, obwohl mein Magen rebelliert und die unmenschlichen Scheußlichkeiten, die er mir angetan hat, auf mich niederprasseln, bis ich mich am liebsten zu einer Kugel zusammenrollen würde. Doch das hat mich damals nicht gerettet und wird es auch in dieser Nacht nicht tun. Ich will schreien, toben, weinen, aber all das erfordert Farbe - ein strahlendes Orange oder ein sattes Grün. Mir ist lediglich ein Grau geblieben, das mein Dasein wie nasse Asche überzieht.

Coming soon.

Liebe Grüße
Linda Mignani


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