Samstag, 16. Januar 2016

Der erste, in sich abgeschlossene Band, der Wild Card Society - The Hunt, ist erschienen

Meine lieben Leser,

die Wild Cards sind soeben bei Amazon für den Kindle erschienen. Das Taschenbuch folgt in wenigen Tagen. Ich wünsche euch viel Vergnügen mit Ava und Sloan. Möge die Jagd beginnen.







Leseprobe:


Ich schwöre, dass ich mich noch nie so geschämt habe und ich vorher nicht gewusst habe, wie lustvoll gerade dieses Gefühl sein kann.
„Wie Sie zweifelsohne sehen können, ist sie gehorsam und ihr Arsch ist es wert, eine unnachgiebige Hand zu spüren. Wenn Sie dann bitte jeweils einen Umschlag aus dem Korb ziehen. Es kann nur einer diese Frucht gewinnen, die in unserer Welt jungfräulich ist.“
Obwohl mir eiskalt ist, schwitze ich und friere dadurch stärker.
„Richte dich auf, Ava.“ Jemand reicht Jim einen roten Kimono, in den er mir hineinhilft und ich lächele ihn dankbar an. Ich höre das Rascheln von Papier und die wenigen Sekunden, die es andauert, erscheinen mir zugleich wie Minuten und Stunden. Erneut wird es still, bis Jim spricht. „Wer hat das wunderschöne Geschöpf gewonnen?“
Es ist erstaunlich, wie gut mir das Kompliment selbst in meiner Lage tut, wie eine Umarmung, in der man sich verlieren kann. Zwar durchschaue ich seine psychologische Taktik, auch, dass er mich im Ungewissen gelassen hat, ob ich mich völlig nackt präsentieren muss. Doch diese durchlittene Angst trägt erheblich zu der Realität dieser absurd anmutenden Situation bei sowie zu dem Rausch, den ich dabei empfinde.
Ein Mann in einem Smoking überreicht Jim ein gefaltetes Blatt Papier. Meine Atmung pendelt zwischen fast nicht existent und einer, die man bei einem Sprint hat, hin und her.
„Bevor du den Namen deines Masters erfährst, musst du noch eine Karte ziehen. Das Bild darauf zeigt dir, welches Szenario dich erwartet, welche Fantasie von dir in Erfüllung geht.“
Der Smokingträger fächert mehrere Karten aus, die eine dunkelrote Rückseite haben und auf denen in silberner Schrift Wild Card Society steht. Er hält sie mir entgegen. Was wird es sein? Der Dungeon? Der Sklavenhändler? Der Cop? Meine Fantasien erscheinen mir in diesem Moment so albern aber auch brisant wie noch nie zuvor.
„Ziehe jetzt eine Karte, Ava.“
Erstaunlicherweise bin ich unglaublich ruhig, als ich meinen Arm hebe, die Hand ausstrecke und die Karten anstarre. Sie geben mir nicht preis, was sich hinter ihnen verbirgt. Meine Fingerspitzen berühren eine der acht. Doch vier ist keine gute Zahl. Daher nehme ich die dritte von links.
„Sieh sie dir an, Ava.“
Ich drehe sie um und auf ihr ist die Jagdgöttin Diana abgebildet. Sie ist wunderschön gezeichnet und steht stolz auf einem Hügel, bekleidet in einem roten Gewand. In der Hand hält sie einen gespannten Bogen.

The Hunt!

Oh Gott. Ausgerechnet meine wildeste Fantasie musste ich ziehen. Dass ein Mann mich jagt, mich gefangen nimmt, mich bestraft, mich vögelt, so wie er es für richtig hält. Jim nimmt mir die Karte aus der Hand.
„Dein Master ist Sloan Barker und er kann sich mit dir bei dem Szenario – THE HUNT, vergnügen. Gute Jagd.“
Der Smokingträger umfasst meinen Nacken und führt mich von der Bühne. Wir nehmen eine Tür, die sich direkt hinter dem Podest befindet.
„Du kannst dich umziehen, etwas Wasser trinken und ich fahre dich zu dem Ort, an dem die Jagd beginnt. Du hast fünf Minuten Vorsprung, ehe dein Master die Fährte aufnimmt.“
„Kann ich ihm entkommen? Und falls ich es schaffe, was geschieht dann?“
„Ihm entkommen?“ Amüsiert zieht er die dunkelblonden Augenbrauen hoch. „Sloan Barker ist noch nie jemand entkommen. Deine Frage ist jedoch berechtigt. Solltest du den Ausgang erreichen, der sich am anderen Ende des Grundstückes befindet, entbindet die Wild Card Society dich von deinen Pflichten und Mr Barker zahlt dir eine Belohnung von zweitausend Pfund. Ich glaube allerdings nicht, dass du das tatsächlich willst. Aber sei gewarnt, Ava. Es ist nur eine Fantasie, doch sie wird dir verflucht echt erscheinen. Du wirst dich wirklich fühlen, als würde dich ein Mann jagen, allein aus dem Grund, um sich mit dir zu vergnügen.“
Zweitausend Pfund Sterling? Das Geld könnte ich mehr als nur gut gebrauchen. Davon ist auch vorher nie die Rede gewesen.
Alles geschieht so schnell und ich stehe mittlerweile in einem Schlafzimmer. Der Smokingmann zeigt auf das Bett, auf dem ein Longsleeve, eine Runningtights, eine Fleecejacke sowie Socken liegen. Auf dem Boden stehen Laufschuhe.
„Ich hatte befürchtet, dass ich nackt und in Highheels durch den Wald rennen muss“, platzt es aus mir, wobei ich ein hysterisches Kichern unterdrücke.
„Du würdest dir nur die Knöchel brechen und dir deine schöne Haut zerkratzen. Dein Master ist der einzige, der dich verletzen darf. Und jetzt ziehe dich um, Ava. Dein Höschen und den BH lässt du bitte auf dem Bett liegen. Du kannst gerne das Bad benutzen.“ Er zeigt auf den Tisch, der zwischen zwei Sesseln am Fenster steht. „Trink von dem Wasser. Du wirst es brauchen. Ich hole dich in zehn Minuten ab.“
Sie lassen mir nicht viel Zeit, aber das ist besser so. Sobald ich alleine bin, verliere ich fast die Nerven. Doch auch das wird mich nicht retten. Ich gehe zum Fenster und blicke auf eine Gartenanlage, an die ein dichter Wald grenzt. Allerdings finde ich keine Anhaltspunkte, um festzustellen, wo ich mich genau befinde.
Du bist ein großes Mädchen, also reiß dich zusammen!
Ich suche kurz die Toilette auf, wasche mir anschließend das Gesicht mit kaltem Wasser. Meine überhitzen Wangen lassen sich jedoch nicht davon beeindrucken und glühen nach wie vor. Wie kann man zur selben Zeit dermaßen viele Emotionen fühlen, wie ein Potpourri der Gegensätzlichkeit? Wenn mich die Society nicht an der Kandare hätte, würde ich flüchten, nur um mich wahrscheinlich mein restliches Leben mit der Frage zu quälen, wie es gewesen wäre, mich einem Master hinzugeben.
Ich gehe zurück ins Schlafzimmer und ziehe mich um. Das Shirt ist eng genug, sodass es meinem Busen Halt gibt. Die Schuhe passen, als hätte ich sie selbst gekauft. Zuletzt schlüpfe ich in die Fleecejacke, trinke wie ein halb verdurstetes Pferd und dann ist es so weit, der Smokingmann holt mich ab, um mich zu meiner Fantasie zu fahren. Und genauso fühlt es sich an, so unglaublich unwirklich.
Diesmal verbindet mir niemand die Augen und ich starrte mit offenem Mund auf das herrschaftliche Gebäude, mit den vier Türmen und ich habe die aberwitzige Vorstellung von Drachen, die sich von den Zinnen erheben. Der graue Stein strahlt Geschichte aus, und weckt in mir das Bedürfnis, seine Geheimnisse zu erforschen. Doch meine Gedanken lösen sich auf, sobald wir durch das schmiedeeiserne Tor fahren, die Privatstraße entlang und dann auf einem Waldweg abbiegen, an dessen Ende sich ein kleiner Parkplatz befindet. Jetzt weiß ich auch warum ich in einem SUV sitze und nicht in der Limousine.
Er hilft mir aus dem Wagen, sieht erst auf seine Armbanduhr und mir dann in die Augen. Seine sind ein warmes Braun. „Wie sind deine Wörter, Ava?“
Ich brauche ein paar Sekunden, ehe ich verstehe, was er von mir will. „Stern und Rot.“
„Du wirst sie benutzen, falls es erforderlich ist. Aber Sloan ist ein sehr erfahrener Master und du bist sicher bei ihm, auch wenn dir das vielleicht nicht immer auf Anhieb ersichtlich ist.“
Na toll! Erst beruhigt er mich und im nächsten Moment verunsichert er mich aufs Höchste. Ich vermute, dass diese Männer allesamt psychologisch ausgebildet sind, um eine möglichst authentische Aura zu erzeugen, die bei mir ihre geballte Wirkung entfaltet. In diesem Fall gilt die Metapher – Gefahr erkannt, Gefahr gebannt - nicht.
Ich brauche ihn nicht zu fragen, in welche Richtung ich laufen soll. Es gibt nur einen Zugang zu dem umzäunten Areal.
„Hier nimm das und stecke es in deine Tasche. Sollte dir etwas passieren, können wir dich damit orten, und wenn du auf den roten Knopf länger als zehn Sekunden drückst, sendet es ein Notsignal aus. Den grünen Knopf drückst du, falls du unerwarteterweise den gegenüberliegenden Ausgang erreichst. Zu deiner Information, er liegt ungefähr drei Stunden entfernt bei einer konstanten Geschwindigkeit von zehn Stundenkilometern. Außerdem gebe ich dir eine Visitenkarte mit einer Notfallnummer, die du anrufen kannst, falls du jemals außerhalb der Society Hilfe brauchst. Sie ist mit Respekt zu behandeln, aber wenn du sie wählst, kommen Mitarbeiter der Society und helfen dir aus deiner Notlage.“
Ich nehme das Utensil, das wie ein kleiner Sender aussieht und die Karte. Er wartet, bis ich beides eingesteckt habe. Dann beugt er sich vor und küsst mich auf die Wange. „Viel Glück und viele Orgasmen, Ava Silver.“ Er schließt die aus einem Maschengitter bestehende Tür auf. „An deiner Stelle würde ich keine Sekunde vergeuden. Solltest du deinem Master keine gute Jagd liefern, wird er nicht sehr amüsiert sein. Und jetzt renn.“ Unvermittelt gibt er mir einen leichten Schubs und schlägt mir fest auf den Po. Das reißt mich aus meiner Starre, und das Brennen auf meiner Haut bleibt die ersten Meter, die ich den schmalen Pfad entlanghaste. Soll ich wirklich ernsthaft versuchen, den Ausgang zu erreichen? Ich weiß es nicht. Als endlich mein Herz aufhört, bis wild in meine Kehle zu wummern, nehme ich die Geräusche des Waldes wahr. Wir haben Herbst und die Laubbäume erstrahlen in ihrem schönsten Kleid. Der Wind spielt mit den Blättern, sodass sie rascheln und flüstern. Ab und zu höre ich das Klopfen eines Spechts und mir erscheint die Umgebung märchenhaft. Meine Beine wollen schneller rennen, als meine Vernunft es ihnen erlaubt, doch meine Panik verlangt es von ihnen. Ich fechte einen Kampf mit mir selbst aus, vergeude unnötige Kraft, etwas, das ich mir nicht leisten kann.
Wer ist Sloan Barker? Wie sieht er aus? Was wird er mit mir machen? Hält er sich an die Bestimmungen der Society? Alles rauscht durch meinen Verstand, und ich zwinge mich dazu, diesen gefährlichen Unsinn zu beenden. Ich muss mich auf das Jetzt konzentrieren. Um mich selbst anzuspornen, bin ich inzwischen wild entschlossen, den Ausgang zu erreichen. Falls mir das gelingt, ist Sloan Barker nicht gut genug für mich. Dann hat er es nicht verdient, mich zu kriegen. Er wäre kein Master, sondern eine aufgeblasene Verpackung, die nur nach außen hin interessant erscheint. Ich beschleunige ein wenig und hoffe, dass ich das nicht gleich bitterlich bereuen werde.
Nach ein paar Metern finde ich endlich in meinen Rhythmus, bin im Einklang mit meinen Muskeln, meinem Herzschlag und meiner Atmung. Wie ein fein abgestimmtes Instrument tut mein Körper das, was ich ihm befehle. Dann durchschneidet der durchdringende Ton eines Jagdhorns die Stille und alles in mir bricht in Disharmonie aus.



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